Mein Tag im Welli – Liebgewordene Rituale

Matze - Foto: WeidemannEs ist Spieltag. Irgendein Freitag oder Sonntag. Manchmal geht es stressig zu, um pünktlich im Welli sein zu können. Nämlich dann, wenn ich direkt vom Dienst ins Sportforum rasen muss. Da heißt es auch dem Kollegen zu danken, der mich dann etwas früher ablöst, damit ich rechtzeitig vor Ort sein kann! Meist aber startet so ein Aufgalopp vor einem Spiel zum Glück immer noch zu hause. In der Woche trudeln Frau und Sohn erst von Arbeit ein, es wird erzählt, kurz geruht und später ein gemeinsames Käffchen getrunken. Da ich, wenn ich frei hatte, den Tag doch überwiegend am Computer und im Internet verbracht habe, gibt es einen kurzen Überblick über die neuesten Neuigkeiten über unsere Eisbären, die NHL oder diverse Streitereien in irgendwelchen Fanforen, aber auch die Grüße unserer Freunde aus Linz, Hamburg und Iserlohn (Hagen) werden übermittelt. Dann, so ca. zwei Stunden vor Spielbeginn, ist Rüstzeit. Die Trikots, Basecaps, Schals, Dauerkarten und in meinem Fall eben auch Presseausweis und Schreibzeug werden zusammengesucht. Kontrolle Vollzähligkeit und los geht es, der Welli ruft!

Das Auto wird auf dem inzwischen schon angestammten Parkplatz abgestellt. Noch schnell ein Nackensteak bei Marxens eingepfiffen und dann trennen sich unsere Wege für etwa eine Stunde. Frau und Sohn marschieren schon in die Halle auf „unsere“ Plätze im Block C und mich zieht es zunächst mal zum Pressecontainer. Dorthin noch hier ein „Hallo!“ und dort ein „Grüß Dich! Alles klar?“. Die klapprige Klinke zum Container herunter gedrückt und ich blicke einmal mehr in vertraute Gesichter. Resi, Dani, Marko und dann Kollege Olli. Beim unvermeidlichen Käffchen werden dann mit Olli erstmal Hockeyweb- und andere Neuigkeiten ausgetauscht und organisatorische Dinge abgesprochen. Wobei wir zwei da eigentlich nicht mehr viel reden müssen. Ein eingespieltes Team.

Matze - Foto: CityPressDann der übliche Smalltalk über Gott und die Welt mal mit dem, mal mit dem draußen vorm Container bei einer Fluppe. Mit Tatanka zum Beispiel über die Eliteserien, die DNL oder die Loser von Maple Leafs. Mit Ossi über Malkin und Crosby und die Pittsburgh Penguins. Hanne und seinem Trudchen Hallo sagen, mit „The Voice“ Uwe den inzwischen ebenfalls schon zum Ritual gewordenen Handschlag vor dem Spiel nicht vergessen. Dann irgendwann kommen die Bögen mit den Mannschaftsaufstellungen. Resi schmeißt den Kopierer an, der mal funktioniert und manchmal auch nicht. Zuletzt hat sich dessen Arbeitseinstellung aber deutlich verbessert. Oder ist es ein neuer? Egal, die Bögen und ein Stadionblättchen geschnappt und hinein ins Getümmel. Zwischenstopp im Foyer und noch ein paar Worte gewechselt. Aber jetzt! Den Eingang unten am Block I passiert. Augen links und im „Rentnerblock“ Yushi, den weltbesten Tippspielleiter (NHL im Eisbärenfanboard) aus der Ferne gegrüßt. Vorbei am Kampfgericht, an den Fanatics und den gesamten Stehplatzblock und letztlich die Treppe hinauf zu meinen Leuten im Block C.

Auch hier Hallo gesagt. Opa vor mir fragt mich nach meinem Tipp, wie immer. Es gibt Zustimmung oder ein zweifelndes Wackeln mit der Hand. Wir werden sehen. Ich schaue Andreas an, unser seit Jahren bewährtes Orakel. Ein Nicken, ein Augenzwinkern oder der Kopf wird unsicher von einer zur anderen Schulter geneigt. Oft liegt er richtig. Orakel eben. René trudelt ein. Spät wie immer. Er findet dennoch seinen Platz. Auch wie immer. Uwe kommt aufs Eis, begrüßt uns. Der Eisbärensong. Die Schieris. Das Team. Unser Team! Und der Gegner. Der Puck fällt, wir singen, wir klatschen. „Schießt sie aus der Halle…!“ Wie fast immer.

Tor für die Eisbären - Foto: CityPress
Tor für die Eisbären! Wir jubeln, klatschen uns reihum ab. Küsschen für jedes Eisbärentor und am Ende jeden Drittels für meine Frau. Ja, so geht das. Immer. Das Spiel neigt sich dem Ende. Für mich ist wieder Rüstzeit. Tschüß sagen. Die Treppe runter kämpfen. Den Weg zurück, den ich gekommen bin. Am Ausgang unterm „Rentnerblock“ kurz verharren, das UFFTA und die Ehrenrunde mitnehmen. Und ab in den Container zur Pressekonferenz. Noch mal Smalltalk danach. Auch hier Tschüß sagen. Olli zum Auto begleiten. Ab nach hause! Auswertung im Auto auf dem Heimweg. Sohnemann nach Details fragen, die er im Gegensatz zu mir viel besser wahrnimmt. Kunststück, wenn man von Kindesbeinen an Eishockey sehen gelernt hat! Computer anwerfen. Ollis Spielbericht ist schon online. Mein Part beginnt, der Nachwischer. Statistiken checken – schauen, was Olli geschrieben hat. Und dann selbst in die Tasten hauen! Fertig. Es ist irgendwann weit nach Mitternacht und der Aschenbecher voll, die Kaffeetasse dafür zum wiederholten Male leer. Frau und Sohn schlafen schon. Noch mal drüber lesen, Text einpflegen, Bild aussuchen, Häkchen bei Yahoo Sport nicht vergessen (Insider 😉 ). Mein Tag mit den Eisbären, mein Tag im Welli, mein Tag mit euch neigt sich dem Ende. Ein guter Tag! Seit Jahren schon: Wie immer!

Matze Eckart

Fotos: Weidemann (1), CityPress (2)

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3 Responses to “Mein Tag im Welli – Liebgewordene Rituale”

  1. Ecki sagt:

    Und wenn dann die olle Ecki da ist, musst du auch noch deren Hibbeligkeit ertragen und versuchen zu bekämpfen. Und das ist wahrlich nicht einfach. 🙂

    Im übrigen wäre es mal ganz interessant, inwieweit sich dann ab Herbst zwangsläufig neue oder teilweise veränderte Rituale entwickeln.

  2. Anonymous sagt:

    Hi Hi, erscheine ich mal pünktlich, verwirre ich Euch doch nur :-).
    Wobei heute werde ich mal alle Rekorde brechen und super zeitig anwesend sein.

  3. Eisbaer-René sagt:

    Hi Hi, erscheine ich mal pünktlich, verwirre ich Euch doch nur :-).
    Wobei heute werde ich mal alle Rekorde brechen und super zeitig anwesend sein.