Enge Spiele, bittere Niederlagen, große Siege: Die Eisbären im Halbfinale (2) – Krefeld 2003

Play-Offs 2003 - Foto: CityPressNach zwei Jahren ohne Play-offs und einem Ende im Viertelfinale 2002, ging es im Jahr 2003 endlich wieder ins Halbfinale. Nach einer furiosen Saison kamen die Eisbären in den Ausscheidungsspielen ganz schön ins stottern. In knappen Spielen wurde die best of seven-Serie nach fünf Partien gegen die Hamburg Freezers gewonnen. Gegner im Halbfinale waren dann die Krefeld Pinguine. „Einfach“, wie viele in Hohenschönhausen an einen Durchmarsch glaubend, den Gegner empfanden.

Alles sah auch einfach aus, zumindest im ersten Spiel. Ehe die Gäste aus der Seidenweberstadt überhaupt einen Schläger aufs Eis bekamen, stand es im ersten Spiel schon 3:0. Im Endeffekt gewannen die Berliner mit 4:1. Legendär war nach Play-Offs 2003 - Foto: CityPressder Partie die Pressekonferenz in der Krefelds Coach Butch Goring zu Pierre Pagé sagte: „Ihr habt zwar heute das Spiel gewonnen, wir gewinnen aber die Serie!“ Dabei ging ein Lachen durch den Pressecontainer am Wellblechpalast. Dieses Lachen sollte aber bald jedem im Hals stecken bleiben, denn schon zwei Tage später drehten die Pinguine in heimischer Halle einen 2:0-Vorsprung zu einem 4:2-Sieg, am darauffolgenden Spieltag mit dem 1:0 und einem überragenden Robert Müller sogar die Serie. Plötzlich standen die Eisbären mit dem Rücken an der Wand und versemmelten auch noch das vierte Spiel und verschwanden als Ligaprimus sang und klanglos aus dem Meisterkampf.

Apropos verschwinden: das tat auch Eisbären-Trainer Pagé nach dem Spiel, der sich prompt von der Spielerbank aus kommend in ein Taxi setzte, sich zum Flughafen chauffieren ließ und darauf einige Tage untertauchte. Seine Bedgründung, oder Play-Offs 2003 - Foto: CityPressEntschuldigung für diesen Sachverhalt war: „Wenn man jemanden besonders gerne hat, dann tuen Enttäuschungen besonders weh.“ Ein gefundenes Fressen für die Presse wurde das ganze, weil die Eisbären schließlich ohne ihren Trainer nach Berlin zurück flogen. Dieser hatte im Taxi als Ziel einfach „Flughafen“ angegeben und während die Mannschaft in Düsseldorf in den Flieger stieg, musste Pagé sich in Köln ein Ticket nach Berlin kaufen, war so aber bereits vor seiner Mannschaft in berlin und hatte zudem den Vorteil, diese nicht mehr sehen zu müssen.

Diese Niederlage war auch eine herbe Enttäuschung für die vielen Fans, die sich auf den Weg in das an diesem Tag fühlingshaft warme Krefeld machten. Nicht nur ihre Träume und eimerweise Tränen beließen sie am Niederreihn, auch das schöne Wetter Play-Offs 2003 - Foto: CityPressblieb dort, denn bei der Heimkehr nach Berlin erwartete sie nicht nur ein kaltes und leeres Gefühl, sondern auch ein Wintereinbruch.

Gleichzeitig zu der herben Enttäuschung war dieser Tag in Krefeld aber auch eine Demonstration der nahezu unzerstörbaren Liebe der Eisbärenfans zu ihrem Club, sangen sie doch, dem chancenlosen Tun ihrers Teams nur noch beiläufig zusehend, das letzte Drittel fast durchgängig trotzig „You´ll never walk alone.“ Nicht umsonst ist in diesem Lied auch von Hoffnung die Rede, Hoffnung auf bessere Zeiten…

Und die Zeiten sollten besser werden. Mehr dazu im nächsten Teil unserer Halbfinal-Serie

ovk / wei-de

Fotos: CityPress

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One Response to “Enge Spiele, bittere Niederlagen, große Siege: Die Eisbären im Halbfinale (2) – Krefeld 2003”

  1. knoten sagt:

    Habe vor diesem Spiel noch nie so viele Kerle Heulen sehen.
    Und wir sangen auch: Deutscher Meister wird nur der KEV.