Enge Spiele, bittere Niederlagen, große Siege: Die Eisbären im Halbfinale (1)

Jubelnder Präsident - Foto: CityPres„Halbfinale ist schön…“, tönte es im letzten Viertelfinalspiel durch den Wellblechpalast.

Dass das DEL-Halbfinale wirklich schön ist, haben wir ja schon öfter erlebt. Alles begann 1997, als erstmals Play-offs auch im Wellblechpalast ausgespielt wurden. Eigentlich waren diese Ausscheidungsspiele schon nach dem Viertelfinale gelaufen, denn dort bezwangen die „neuen Helden“ aus Hohenschönhausen den Stadtrivalen aus Charlottenburg. Gegen die Preussen setzten sich die Eisbären mit 3:1-Spiele durch. Stadtmeister! Was sollte nun noch kommen? Es waren die Kassel Huskies! Das Team aus Nordhessen war das zweite „Shootingteam“ der Saison. Unter Trainer Gerhard Brunner spielten die Huskies eine Super-Saison. Das führten sie auch im Halbfinale weiter, und gaben den Eisbären quasi keine Chance.

Mit dem tschechischen Torwart Pavel Cagas hatten die Kasselaner einen souveränen Part im Tor, dessen Tor in den entscheidenen Situationen stets wie vernagelt schienen. Als hätte er eine Mauer vor sein Tor aufgezogen. Nur ein einziger Sieg zum Osterfest 1997 konnten die Eisbären ihren Fans im überfüllten Wellblechpalast feiern. Im Spiel 4 konnten die Huskies den Play-Offs 1997 - Foto: CityPressFinaleinzug im Welli mit einem 4:1 klarmachen. Gleichzeitig war diese Partie auch das letzte aktive Spiel für den jetzigen Eisbären-Manager Peter John Lee. Auch Teambetreuer Dirk Perschau schnürte an diesem Tag letztmalig seine Schlittschuhe für die Hohenschönhauser.

Ein bitterer Beigeschmack hatte diese Serie beim zweiten Auswärtsspiel in Kassel: Schon während des Spiels kam es im völlig überfüllten Gästeblock zu einigen Ausfällen und es herrschte eine aggressive Grundstimmung, die man so eigentlich nicht mal beim Derby kannte. Immer wieder kam es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen mit anderen Zuschauern, hunderte Becher flogen auf das Eis und das Spiel stand wohl kurz vor dem Abbruch. Angeblich soll sich der Eismeister von den Pfandeinnahmen der eingesammelte Becher anschließend ein neues Auto gekauft haben. Schließlich wimmelte es in der ohnehin Jubelnder Präsident - Foto: CityPresschon überfüllten Halle auch noch von eilig alarmierten Polizeikräften. Diese waren auch nicht von der Deeskalationaabteilung der hessischen Polizei und nach dem Spiel gab es dann vor der Halle regelrechte Jagdszenen. Einige Eisbärenfans hattend a aber schon de Schnauze voll und waren schon in Richtung Bahnhof unterwegs, um mit dem Wochenendticket wieder nach Hause zu fahren

1998 hieß der Gegner Landshut Cannibals. Nach einer spannenden Viertelfinalserie gegen die Krefeld Pinguine (zweimal nach Verlängerung und einmal klar gewonnen) kamen nun die Jungs rund um ihren Star Mike Bullard in den Wellblechpalast. Und mal ehrlich, was haben wir den Bullard gehasst. Vor allem bei seinen brutalen Schlägerein mit Chris Goverdaris. Sportlich gesehen Play-Offs 1997 - Foto: CityPresswar dieses Halbfinale ein Erfolg. Das erste Spiel im Wellblechpalast war eine klare Sache. Mit einem 7:4 schickten die Jungs von Trainer Peter John Lee die Bayern wieder nach Hause. Ein spannendes Match gab es danach in Niederbayern. In einer sehr aufgeheizten Atmosphäre konnten die Berliner bestehen und hatten nun einen Fuss im Tor zum Finale. Dieses machten sie im dritten Spiel in Berlin klar. Und das sogar mit einem Shut-out für den Eisbären-Goalie Mario Brunetta. Sein gegenüber Peter Briza, musste dagegen gleich zwei Mal hinter sich greifen. Der tschechische Torhüter bot allerding, bis auf Spiel 1, einen souveränen Part.
In Hohenschönhausen wuchsen nach dieser Partie die Bäume in den Himmel, wurde doch das Finale erreicht.

Play-Offs 1997 - Foto: CityPress1999 waren es im Viertelfinale wieder die Krefeld Pinguine. Und diese wurden wieder bezwungen. Mit einer 3:1-Serie (lediglich das erste Auswärtsspiel wurde abgegeben) zogen die Eisbären ins Halbfinale ein. Dieses war eine Neuauflage des Finals der Vorsaison. Und es lief fast genauso. Das erste Spiel verloren die Berliner mit 2:4. Entscheidend daran war ein alter Bekannter. Bereits zwei Jahre zuvor „mauerte“ er sein Tor für die Eisbären zu, jetzt erinnerte er auch auf seiner Maske an diesen „Fakt.“ Pavel Cagas war zurück, diesmal aber im Mannheimer Tor.
Was nach dieser Niederlage folgte war ein 0:6 im Mannheimer Friedrichspark und ein „Überstunden-Spiel“ im Wellblechpalast, Play-Offs 1997 - Foto: CityPresswelches die Eisbären nach fast vier Zeit-Stunden im Penaltyschiessen mit 2:1 gewannen. In der total überfüllten Halle bäumten sich die Eisbären noch einmal dem „Aus“, welches aber mit dem 3:9, am Ostersamstag 1999, in einem „Spiel ohne Gegenwehr“ dann doppelt so hart kam.
Dieses Spiel war dann auch der letzte Punkspielauftritt in einem Eishockeyspiel von Thomas Steen, seine Autogramme waren nach diesem wenig erbaulichen Auftritt im Friedrichspark die einzigen, die begehrt waren.

Nach dieser Saison folgte eine Halbfinaldurststrecke, die erst 2003 beendet wurde. Darüber schreiben wir aber erst im zweiten Teil.

ovk / wei-de

Fotos: CityPress

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