Aufbruch aus der Provinz

Mein erstes Mal - Grafik: Eisbären LiveEs war irgendwann im Herbst 1996, wir saßen im Provinznest Putlitz in Nordbrandenburg am Biertisch und langweilten uns mal wieder. Da kam von Kumpel Karl der Vorschlag, man könne doch mal nach Berlin zum Eishockey fahren, sein Cousin in Weißensee würde Karten bestellen. Gesagt, getan. 3 Tage später ging die Reise zu viert los.

Es stand das Derby gegen die Preussen auf dem Programm. Wir waren natürlich viel zu spät in der Halle. Die Blöcke waren rappelvoll und wir mussten auf der Treppe stehen. Es war so eng, dass man Mühe hatte, die Hände zum Klatschen hoch zu kriegen. Unmittelbar vor mir stand eine schwarzhaarige Schönheit, die bei jeder Musikeinspielung anfing zu tänzeln. Ihr aufregender Hintern rieb sich an meinen Schenkeln, so dass ich mir am liebsten ins Taschentuch gebissen hätte. Auf dem Eis ging es richtig zur Sache. Die Preussen gingen nach freundlicher Unterstützung durch den Schiedsrichter in Überzahl in Führung. Als wenig Spieler der Paradespieler der Preussen einen Eisbären umgerissen hatte, blieb der Pfiff aus. Auf den Rängen skandierte man: „Holzmann, Du A….loch“! Ja, und ich dachte mir, Donnerwetter, hier wird ja mitten in der deutschen Hauptstadt deine Provinzsprache gesprochen!

Kurz vor Spielende sangen die Massen auf den Rängen: „Lieber ein Verlierer sein, als ein dummes Preussenschwein.“ Das Spiel ging verloren für die Eisbären und es flogen aus allen Blöcken Feuerzeuge auf die Eisfläche. Aber ich hatte meine sportliche Heimat gefunden.

Der Augenblick in dem die Eisbären ihr erstes Tor dieses Spiel schossen, hat sich in mein Gehirn eingebrannt. Die Blöcke sind förmlich explodiert und ich bin im Freudentaumel fast zu Boden gerissen worden. Draußen vor der Halle musste ich mir noch unbedingt einen Fanschal kaufen. Und ich nahm den, der meine Gefühle am besten dokumentierte: „Einmal ein Eisbär, immer ein Eisbär“. Warum nur habe ich nicht viel früher den Weg in den Wellblechpalast gefunden? Warum bin ich immer nur über Provinzfußballplätze getingelt? Es gibt nichts Größeres, als die Zugehörigkeit zur herrlich verrückten Eisbärenfamilie.

Inzwischen haben wir unsere Provinz ein wenig wachgerüttelt und am 9. November letzten Jahres (2001) mit einer feierlichen Fahnenweihe den Eisbärenfanclub „Putlitzer Eisgänse“ gegründet. Bei Heimspielen findet man uns im Block C. Ich für meinen Teil habe jedenfalls seit sechs Jahren keine Langeweile mehr und freue mich schon wahnsinnig auf den Deutschen Meister EHC.

Lutz Eisermann alias „Lutze“ ist Schlosser- und Schmiedemeister in Putlitz.

Ab 2002 erschien in der Stadionzeitung „Eisbären live“ eine Reihe von persönlichen Berichten unter dem Motto „Mein erstes Mal„. Da diese Berichte von unterschiedlichsten Personen aus dem Dunstkreis des Welli einen guten Einblick in die Geschichte des Welli geben, freuen wir uns, dass wir diese Reihe hier erneut veröffentlichen dürfen. Unser Dank gilt dafür Daniel Goldstein von der Öffentlichkeitsarbeit der Eisbären Berlin Management GmbH.

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