Thomas Rhodin – Der Herzensbrecher

Thomas Rhodin - Foto: CityPressJa, es gab mal Zeiten, da setzten die Eisbären auch auf die skandinavische Karte. Einige Schweden, und sogar ein Finne, jagten in Hohenschönhausen dem Puck nach. Einer war dabei, der sah sogar aus wie der perfekte Schwiegersohn. Thomas Rhodin, einst Eisbären-Verteidiger mit der Rückennummer 56, hatte so eine Ausstrahlung. Dem dunkelhaarigen Schweden mit dem stechenden Blick war so manche junge Dame rund um den Wellblechpalast erlegen. Sogar Schulstunden wurden teilweise geschwänzt, um ihn beim Training zu beobachten.

Thomas Rhodin kam zur Saison 1997/98 nach Berlin. Zusammen mit weiteren Neuzugängen wie Rob Cowie oder Yvon Corriveau verstärkte er das schon erfolgreiche Vorjahresteam. Unvergessen bleibt „Tottos“ erstes Interview in Berlin. Dieses führte der damalige Co-Trainer und heutige Manager Peter John Lee. Sehr investigativ war dabei die Frage, welches denn die ersten Worte auf Deutsch waren. Rhodin antwortete ganz trocken „Auto“. Okay, kurz zuvor holten die Spieler erst ihre neuen Dienstfahrzeuge vom Autosponsor ab. Von daher war es nicht so schwer.

Schwer dagegen war die Eingewöhnungsphase hier in Berlin. Irgendwie konnte sich der 1971 in Karlstad geborene Defender nicht mit der Millionenmetropole Berlin so richtig anfreunden. Trainer Ron Kennedy verzichtete zum Saisonbeginn teilweise sogar auf seine Dienste und ließ ihn auf der Tribüne schmoren. Der Knoten platze darauf aber ziemlich zügig, und Rhodin konnte sich beweisen. Vor Allem bei seinen Fans. Genau in der Saison, wo der „Mythos“ der „Immergewinnbären“ geschaffen wurde. So ziemlich jedes Heimspiel wurde gewonnen. Und mitten drin war Thomas Rhodin, welcher in der Verteidigung schon dem ein oder anderen gegnerischen Stürmer den Zahn gezogen hatte.

Thomas Rhodin - Foto: CityPressAuch Europa machte Totto zusammen mit den Eisbären unsicher. Ein persönliches Highlight dabei waren mit Sicherheit die Spiele gegen Färjestads BK aus seiner Heimatstadt. Beim Auswärtsspiel in Karlstad war dann sogar die ganze Familie dabei. Wohl die einzigen Schweden, die an diesem eiskalten Januar-Tag für die Berliner waren.

Nicht ganz so toll war seine letzte, die Lila-Laune-Saison in Berlin. Es zog sich quasi wie ein roter Faden durch die Saison, dass die Eisbären nie so richtig in Tritt kamen. Auch für Totto standen schon frühzeitig die Zeichen auf Abschied. Irgendwann im Februar 2000 sickerte es auch durch, dass er wieder in seiner Heimatstadt den Pucks nachjagen will. Trotzdem fiel das „Auf Wiedersehen“ auf der Abschlussfeier im Wellblechpalast ziemlich schwer. In vielen Gesichtern konnte man Tränen erkennen, als Wellblechpalast-Manolo Ralf Czygan sich im Namen der Fans von Totto verabschiedete.

Ein unvergessenes Highlight schufen die Fans ihm aber schon zuvor. Beim letzten Auswärtsspiel der Saison, gleichzeitig der 29. Geburtstag des Schweden, hing der Eisbären Anhang beim Einlauf zum Aufwärmen an der Bande und warf Rosen auf das Eis. Schließlich war man ja auch in Rosenheim zu Gast.

Thomas Rhodin - Foto: CityPressThomas Rhodin agierte die darauf folgenden Jahre bei Färjestads BK. Nach einem Intermezzo in der Schweiz beim HC Fribourg-Gotterón und Servette Genf, spielt er nun wieder in Karlstad. Zusammen mit der Nationalmannschaft Schwedens, der Tre Kronor, nahm er an drei Weltmeisterschaftsturnieren teil.

Thomas bleibt also nicht nur wegen seines Aussehens im Wellblechpalast unvergessen, auch prägte er die Aufbruchsepoche der „Bosman-Ära“ nachhaltig mit. Und wer weiß, vielleicht kommt er ja zur Wellblechpalast-Verabschiedung? Auch wenn die einst gebrochenen Herzen längst wieder geheilt sein sollten.

ovk

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Fotos: CityPress

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One Response to “Thomas Rhodin – Der Herzensbrecher”

  1. Matze Eckart sagt:

    Gerade vorhin hab ich mir das Play-off-Spiel der Eliteserien Färjestad BK gegen Frölunda angeschaut. Und wer rennt da immer noch in altbekannter Manier und gekonnt übers Eis? Richtig, Thomas Rhodin im Trikot von FBK!
    Manchmal ist es doch schon erstaunlich, welch wirklich guten Spieler schon das Trikot mit dem Eisbären auf der Brust trugen. Und ganz ehrlich? Ich bedaure es sehr, dass VOLVO als Sponsor der Eisbären der vorerst letzte Vertreter aus dem Land der Elche geblieben ist! Unsere Schwedenfraktion war dazumal schon eine ganz besondere. Gerne mal wieder! Pete? 😉