Kein Aprilscherz: Olaf Kölzig war ein Eisbär

Olaf Kölzig - Foto: CityPressEs gab schon viele Aprilscherze darüber, dass doch Olaf Kölzig zu den Eisbären wechselt oder auch Wayne Gretzky seine Karriere im Welli ausklingen lassen will. Sozusagen die Pendants zu den Sommerloch-Meldungen, dass Dopita nach Berlin (zurück) kommt.

Doch die Saison des NHL-Lockouts 2004/05 machte doch so einiges möglich. Plötzlich spielten gestandene NHL-Cracks in der DEL. So auch bei den Eisbären. Der erste Transfer hieß zunächst Erik Cole, der aber zum Beginn seiner Spielzeit in Hohenschönhausen nicht gerade souverän war. Insgesamt legten die Eisbären in dieser Saison, die ja mit dem Meistertitel gekrönt wurde, nicht gerade einen Start nach Maß hin. Frei nach dem Lied vom „Holzmichl“ war ein stiller Hohngesang („Lebt denn der letzte Torschütze noch“) hinten in der äußersten Ecke vom Casino bei Alexandra zu hören.

Der medial gesehene „big Deal“ dieser Saison sollte aber keine Tore schießen, sonders sie verhindern. Olaf Kölzig wechselte für diese Spielzeit zu den Eisbären. Und das nicht am 1.April, sondern am 2.Februar 2005.

Olaf Kölzig - Foto: CityPressEigentlich pfiffen es die Spatzen schon eine ganze Weile durch das Hohenschönhauser Sportforum, aber seit der Presseinfo vom 2.Februar 2005 des EHC Eisbären Berlin war es nicht mal mehr ein offenes Geheimnis: Die Eisbären hatten sich mit Nationaltorhüter Olaf Kölzig auf einen Vertrag bis zum Saisonende geeinigt. Sollte aber in der Nordamerikanischen Profiliga NHL doch noch der Spielbetrieb aufgenommen werden, wurde für diesen Fall eine Ausstiegsklausel vereinbart. Kölzig wurde mit der Rückennummer 40 lizenziert (die 37 hatte bereits Sebastian Stefaniszin seit Saisonbeginn unter Beschlag).

Und Kölzig stieg gleich furios in das Spielgeschehen ein. Seine erste Partie absolvierte er in einer fast ausverkauften Kölnarena und hielt seinen Kasten beim 1:0-Erfolg seiner Berliner sauber. Einzig genervt war an diesem Abend der damalige Eisbären-Pressesprecher Moritz Hillebrand, der für so ziemlich jeden Kölner Journalisten ein Autogramm auf den Spielberichtsbogen holen musste.

Olaf Kölzig - Foto: CityPressDie Heimpremiere fiel dagegen sprichwörtlich ins Wasser. Zu Gast waren die Hannover Scorpions und Kölzig gab einen nicht gerade souveränen Part. Bei der als „peinlich“ bezeichneten 3:5-Niederlage zeigte er, dass auch ein als nahezu gottesgleich ausgegebener NHL-Torhüter nur ein Mensch ist, der auch mal Fehler machen kann. Allerdings sahen viele der Fans mit neu erworbenen Kölzig-Trikots doch recht konsterniert aus.

Eine weitere Anekdote ereignete sich beim Auswärtsspiel in Nürnberg. Als Stefan Ustorf kurz vor Spielende noch den Ausgleich erzielte, ging es nach der Schlusssirene ins Penaltyschiessen. Wusste auch jeder in der Arena, außer Olaf Kölzig, der das Berliner Tor hütete.

Olaf Kölzig - Foto: CityPressInsgesamt wurde es acht Saisonspiele für die Eisbären. Kurios war wohl das letzte Hauptrundenspiel an der Düsseldorfer Brehmstrasse. Hier vergaßen Teambetreuer Dirk Perschau und Bernd Karrenbauer das Trikot von Kölzig in Berlin. So musste er mit der #71 auflaufen. Das Trikot wurde an den Seiten aufgetrennt, um ihm mehr Bewegungsfreiheit zu geben. Glück brachte es jedenfalls nicht, Schon den zweiten Schuss aufs Tor konnte er nicht parieren, und als es zur Mitte der Partie innerhalb von dreieinhalb Minuten dreifach einschlug, machte „Olie the Goalie“ Feierabend.

In den Play-offs stand Kölzig vier Mal im Tor. Drei Spiele gegen Augsburg im Viertelfinale konnte er erfolgreich gestalten, das erste Spiel gegen Ingolstadt war dann auch sein letztes. Eine Knieverletzung legte „Godzilla“, so sein Spitzname wegen seiner Größe, lahm. Trotzdem hielt er sich weiter in Berlin fit, um unter Umständen vielleicht doch noch mal ins Tor zu müssen. Sein Kollege Oliver Jonas machte aber einen guten Job und wurde letztendlich mit den Eisbären Deutscher Meister.

Olaf Kölzig - Foto: CityPressKölzig selber teilte nach dem entscheidenden Spiel gegen Mannheim noch Zigarren an die Spieler auf dem Eis auf, machte die kräftige Kabinensause mit und stand auch beim Hauptsponsor, der GASAG, auf der Matte. Die Abschlussfeier mit den Fans im Wellblechpalast ließ er allerdings sausen, um sich möglichst schnell in seiner amerikanischen Heimat wegen seines Knies unters Messer zu legen.

Diese war dann auch erfolgreich, denn Olaf Kölzig ist noch heute einer der besten Torhüter in der amerikanischen Profiliga NHL.

ovk

Fotos: CityPress

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3 Responses to “Kein Aprilscherz: Olaf Kölzig war ein Eisbär”

  1. Susanne sagt:

    Hallo Olli hier ist Susi aus Kassel hätte mal eine Frage an Dich und zwar kannst du dir vorstellen bei uns in Kassel bei den Kassel Huskies zu spielen?

  2. Matze Eckart sagt:

    Olie the Goalie ein Eisbär! Für mich als ausgewiesenen Goalie-Freak war sein Engagement bei uns ein absolutes Highlight, auch wenn es sportlich nicht sehr glücklich verlief.

    Es ist für mich noch immer ein unvergesslicher Moment, als ich zu einer seiner ersten Trainingseinheiten ehrfurchts- und erwartungsvoll in den Welli schlich. Da stand er nun, dieser Riese zwischen den Pfosten, auf dem Eis unseres guten alten Wellis. Und ich sog jeden Moment, jeden Save und jede Bewegung auf.

    Und ich war auch ein bisschen stolz. Denn nicht nach Mannheim, Köln oder Düsseldorf war „Zilla“ gegangen, sondern zu uns, zu den Eisbären.
    Auch wenn Olaf Kölzig nicht den ganz großen Beitrag zum ersten gesamtdeutschen Titel unserer Bären beisteuern konnte, wie er es wohl selbst gerne gewollt hätte, allein seine Verpflichtung war m.E. aber ein laut vernehmbarer Paukenschlag mit entsprechender medialer Wirkung. Selten zuvor dürften es die Eisbären auf so viele werbewirksame Blickkontakte in den diversen Medien gebracht haben. Die Sponsoren haben sich gewiss darüber gefreut.

    Darüber hinaus präsentierte sich der NHL-Star und Gehaltsmillionär überhaupt nicht abgehoben, sondern ziemlich „geerdet“, immer ansprechbar und nie des Autogrammegebens müde. Für meine Linzer Freunde z.B. nahm er sich alle Zeit der Welt zum Fotos schießen und Ausfragenlassen.

    Wie viele NHL-Cracks ist Olaf Kölzig sozial sehr engagiert. Sein Augenmerk gilt hier besonders der Unterstützung von Familien mit Kindern, die an Authismus leiden. Die Initiativen The Carson Kolzig Foundation (http://www.carsonkolzigfoundation.org/) und Athlets against Autism(http://www.athletesagainstautism.org/site/c.muL1J9MMKpH/b.925197/) bieten Betroffenen Information und Hilfe. Das Symbol der AAA findet sich neben den Vornamen Olaf Kölzigs Kinder auf der Rückseite seiner Goaliemaske. Sein Sohn Carson kämpft bekanntlich selbst mit dieser Krankheit.

    Danke für die Zeit hier in Berlin, Olaf Kölzig!

  3. Mister X sagt:

    Bist Du Dir ganz sicher das das Trikot vergessen wurde?