Udo Döhler – Der Tanzbär

Döhler - Foto: CityPressEs war immer ein festes Ritual. Wenn die Eisbären gewannen und er dabei im Kasten stand, dann musste Udo Döhler immer ein Siegestänzchen vor den Fans im Wellblechpalast vorführen. Es ist zwar in nahezu jeder Eishockeyhalle Deutschland Sitte, den Goalie besonders so zu feiern, der Tanzstil ist aber oft verschieden. So bewegen sich einerseits die Schlussmänner wie Rapper oder Breakdancer, auch der Kosakentanz (aus der Hocke jeweils immer ein Bein nach vorne schwingend) wird öfter vorgeführt. Bei Udo kann man beruhigt den Namen „Tanzbär-Style“ anwenden. Er sprang immer von einem Bein auf das andere Bein und schwang dabei jeweils immer eine Hand in die Höhe.

Udo war ein Berliner Markenzeichen, obwohl er aus Bayern, genauer gesagt aus Selb kommt. Der Eis-Dynamo gab ihm damals den Namen: „Der Bulle von Selb.“ Wahrscheinlich in Anlehnung an den „Bullen von Tölz“ mit seinem Darsteller Ottfried Fischer. Udo Döhler gehörte zu der Fraktion der etwas körperlich stabilen Torhüter. Er deckte, aufgrund seiner Körpermaße, den Kasten immer ganz gut ab. Aber auch in seinen Bewegungen war er nicht gerade langsam. Sein gutes Stellungsspiel tat öfter dazu bei, dass sich die Gegner an ihn den Zahn ausbissen.

Döhler - Foto: CityPress1995 wechselte er, von den damals alles andere als solide geführten, Frankfurter Löwen zu den Eisbären. Eigentlich ein Unterfangen, dass sich damals vielleicht mit „besser Not als Elend“ darstellte. Udo war in den ersten Spielen eigentlich so etwas wie der „Puckjunge“ in der Schießbude. Oft genug holte er die schwarze Hartgummischeibe aus dem Netz.

Alles anders wurde es ab 1996, der berühmten „Bosman-Ära“. Die Eisbären bekamen durch ihren ausländischen Stars ein anderes Gesicht, und auch Udo rückte mehr oder weniger unter Trainer Ron Kennedy ins zweite Glied. Mit der Verpflichtung vom italo-kanadischen Torhüter Mario Brunetta kam Udo in der Spielzeit 96/97 auf nur sieben Einsätze, das kurze Intermezzo bei der Düsseldorfer EG dazugerechnet waren es derer neun Spiele.

Auch in der kommenden Spielzeit, die Saison der ersten Vizemeisterschaft, wurden es nicht signifikant mehr Einsätze. 11-mal stand Udo zwischen den Pfosten. Was den Bayern dabei aber so sympathisch machte war, dass er sich seiner Situation als zweiter Torhüter nie über wurde, oder – anders gesagt – sich in der Öffentlichkeit nie wirklich beschwerte. Langweilig war ihm aber anscheinend auch nicht, denn zwischendurch lernte er noch fleißig für sein Ingenieurstudium.

Döhler - Foto: CityPressDöhlers Saison war die Spielzeit 1998/99. Nach einer schweren Verletzung von Mario Brunetta konnte der „Bulle von Selb“ nun zeigen, was in ihm steckt. Mit 32 Einsätzen hatte er fast doppelt viele als in den beiden Spielzeiten zuvor. Und ganz wichtig: Udo glänzte auch international. Auf der Eisbären-Europatour war teilweise er einer der Spieler, die den Weg bis ins Endturnier nach Moskau ebneten, wo die Eisbären schließlich Platz 3 in Europa belegten.
Dabei wurde er sowohl beim Halbfinalturnier in Berlin, als auch beim Finalturnier in Moskau, sogar als bester Torhüter geehrt. In der DEL-Endrunde 1999 bekam er aber wieder Konkurrenz, denn wegen der langwierigen Verletzung von Brunetta verpflichteten die Eisbären um Manager Lenz Funk und Trainer Peter John Lee noch Jason Muzzatti. Wie Brunetta, ist Muzzatti ebenfalls ein Italo-Kanadier. Mit ihm teilte sich Döhler auch die Play-off Spiele, wo im Halbfinale nach vier Spielen gegen die Adler Mannheim Schluss war. Unvergessen dabei Spiel Nummer drei im Wellblechpalast, als die Eisbären mit 2:1 n.P. gewonnen hatten. Ich glaube, damals bekam Udo gefühlte 1000 Schüsse auf sein Tor und selbst das Penaltyschiessen ging in die Verlängerung. Es war schon nach Mitternacht, als die Entscheidung zu Gunsten der Eisbären fiel.

In seiner letzten Eisbären-Saison (1999/00) bekam Udo Konkurrenz aus Tschechien. Mit Jaroslav Kames wechselte ein Torhüter nach Berlin, der vom Potenzial um einiges besser als Udo war. Nur fühlte sich Kames in Berlin nicht wohl. Insider behaupteten, dass die wohl damals starke Fraktion der Kanadier in der Eisbären-Kabine ihr Scherflein dazu beitrug. Das gab natürlich auch Udo wieder die Chance, sich als Torhüter zu beweisen. Nur schien diese Saison etwas wirr, den Kames, der auch ein Liebling bei den Fans war, wurde aussortiert, und ein frankokanadischer Torhüter mit dem Namen Francois Gravel wurde vom Ligakonkurrenten Revier Löwen Oberhausen verpflichtet. (eine Verpflichtung, über die sich der Ruhrpott sicher noch zwei Jahre lang krummgelacht hatte). Döhler - Foto: CityPressAllerdings brachte dieser Panikkauf sportlich gesehen überhaupt nichts, und da sich das verpassen der Play-offs schon früh bestätigte, begann sozusagen eine Dreier-Rotation, denn auch Kames spielte nun wieder.

Krönung für Udo war aber in dieser Saison die Berufung zum Nationaltorwart. Ja, Udo spielte mit der Nationalmannschaft bei der B-WM 2000 in Dänemark. Wohl eher Glück im Unglück, denn so konnte Udo Döhler als Eisbären-Spieler im Wellblechpalast nie verabschiedet werden.

Es gab aber ein Wiedersehen in der Spielzeit 2000/01. Da war er aber im Trikot des Lokalrivalen Berlin Capitals. Manager Funk, der ebenfalls zu dieser Saison die Fronten wechselte, holte ihn nach Charlottenburg.
Döhler - Foto: CityPressIn dieser Spielzeit hatte Udo noch einmal einen großen Auftritt im Welli. Es war das Derby, als wenige Stunden zuvor der in Berlin erfolglose Trainer Glen Williamson entlassen wurde, und Ulli Egen den Posten an der Bären-Bande übernahm. Es war, nach Eisbären-Geschmack, ein schönes Spiel, denn schon ziemlich zeitig konnten die Ostberliner im Tor von Caps-Goalie Andrej Mezin einnetzen. Danach verließ dieser entnervt den Kasten und machte Platz für Udo. Der hielt das Tor auch sauber, und die Capitals schafften es, bis zum Ende des dritten Drittels den Spielstand auf 5:5 zu egalisieren. Ein Wiedersehen, dass nun nicht jedermanns Geschmack war, aber Udo erneut als nervenstark zeigte.

Udo Döhler bleibt im Wellblechpalast unvergessen, und achtet mal darauf: Die roten, gelben oder weißen Trikot mit der Nummer 17 und seinem Namen sind noch heute oft zu sehen. Sie sind auch eine Erinnerung an das Ritual von Udo, denn so schön wie er konnte keiner mehr tanzen.

ovk

Udo Döhler in Bildern gibt es hier.

Alle Fotos: CityPress

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3 Responses to “Udo Döhler – Der Tanzbär”

  1. Matze Eckart sagt:

    Udo war der erste Eisbären-Lieblingsspieler meiner Frau, ihr erstes Trikot trägt seinen Namen. Keine Ahnung, aber mir war der sympathische Bayer auch irgendwie näher als sein damaliger Kollege Mario Brunetta.
    Für mich gehört Udo Döhler definitiv in die Helden-Rubrik!

  2. Jassi sagt:

    Udo Döhler war auch mein erster Liebling bei den Eisbären ich werde ihn nie im Leben vergessen das Trikot hängt noch heute wohl behüttet in meinem Schrank auch der Schal mit seinem Namen drauf.Ich werde ihn nie vergessen und fand es damals zum heulen das er die Bären verlassen hat.Und zu den Caps gegangen ist.Würde ihn gern noch einmal wieder sehen damit er sein Trikot signiert!!!!!

  3. trabi sagt:

    udo war ist und bleibt spitze seine karriere fand ja ein endgültiges ende beim ehc-bayreuth die tigers wir sind alle sehr dankbar für die schöne zeit lass es dir gut gehn udo vielleiccht sieht man sich bei denen abschiedsspiel im käfig wieder