Tomas Pöpperle – Der Monsterdeal

Pöpperle  - Foto: CityPressDie Saison 2005/06 ging so erfolgreich zu Ende wie die vorherige: Unsere Jungs stemmten zum zweiten Mal hintereinander den Meisterpokal in die Höhe. Einer trieb es dabei besonders bunt: unser junger tschechischer Keeper Tomas Pöpperle!

Erst spät in der Saison, Ende Oktober, kam der damals erst 22-Jährige aus Prag zu den Eisbären. Sparta war überbesetzt auf der so wichtigen Position zwischen den Pfosten. Der in Deutschland bestens bekannte Petr Briza (ehemals Landshut) als Nummer eins und Marek Schwarz (heute in der Organisation der St. Louis Blues, unter den Fittichen von Ex-Eisbären-Coach Andy Murray und oft im Farmteam gemeinsam mit Micki DuPont in der AHL bei den Peoria Rivermen spielend) als sein Backup hatten sich die beiden Plätze im Team des Prager Vorzeigeklubs gesichert.

Pöpperle war im Sommer von den Columbus Blue Jackets gedraftet, aber nach Teilnahme am Trainingscamp wieder in seine Heimat zurückgeschickt worden. Nach Ansicht der Verantwortlichen kam Amerika noch etwas zu früh für Pöpperle. – Wohin nun mit dem hochtalentierten ehemaligen U20-Nationaltorwart unseres Nachbarlandes? Zum Glück hatte Briza, der heute Spartas General Manager ist, noch die Telefonnummer Peter John Lees gespeichert. Und so kam es zu dem Ausleihgeschäft, von dem Hockeyweb als „Monsterdeal“ berichtete und von nicht wenigen dafür belächelt wurde. Wie sich später zur Genugtuung der Autoren herausstellen sollte, war das dann aber doch nicht so fürchterlich übertrieben.

Pöpperle  - Foto: CityPressTomas tat sich allerdings zunächst etwas schwer, sich in Berlin und der DEL zurechtzufinden. Kein Wort deutsch sprach er und nur wenige Brocken englisch standen ihm zur Verfügung, um sich mit seinen neuen Kollegen zu verständigen. Das war auch der Grund, weshalb etliche Experten Zweifel äußerten, ob dieses Experiment wohl gelingen könnte. Zumal ihm in den ersten Spielen für die Eisbären einige leichte Pucks durchflutschten. Dass Eishockey aber nun mal überall einfach nur Eishockey ist und Kompliziertheit eh nicht die Sache derer ist, die den Wellblechpalast und sein Umfeld bevölkern, ließ Tomas Pöpperle letztlich aber doch in Hohenschönhausen ankommen.

Hilfreich dabei war sicherlich die Anwesenheit seiner hübschen Freundin Kamila , die schnell Kontakt sowohl unter den Spielerfrauen und –freundinnen als auch aufgrund ihres immer freundlichen, offenen Wesens auch zu zahlreichen anderen Vertretern des Wellblechpalastvolkes fand. Und der junge Spieler selbst, der als völlig unbeschriebenes Blatt nach Berlin kam, brachte trotz Sprachbarriere alles mit, was einen vom „einfachen Spieler“ schnell zu einem Publikumsliebling werden lässt. Pöpperle  - Foto: CityPressEs brauchte so nur einige ganz wenige Spiele, mit zum Teil unglaublichen Saves und schon schallte es von den Rängen erst „Pöpperle! Pöpperle!“, dann „Pöppi! Pöppi!“. Und Pöppi ließ es zu einem beliebten Ritual werden, den Fans bei Spielunterbrechungen mit der nach oben gestreckten Fanghand zum Dank zuzuwinken. Ein Liebling der Massen war geboren.

Lange wurde gehofft, Pöppi bliebe uns eine weitere Saison erhalten. Doch die Kunde der herausragenden Leistungen des jungen DEL- Keepers drang von Hohenschönhausen aus bis in den US-Bundesstaat Ohio und dort in die Ohren der sportlich Verantwortlichen beim NHL-Klub der Columbus Blue Jackets. Pöppi hatte ja auch noch Vertrag dort und so kam, was kommen musste: der Abschied von Tomas Pöpperle. Bei den Syracuse Crunch, im Farmteam der Jackets, kommt Pöppi derzeit noch meist zum Einsatz. Allerdings hat er auch schon in ein paar Spielen NHL-Luft schnuppern dürfen.

Als es aber drüben mal nicht so gut lief und ihn vermutlich auch etwas das Heimweh plagte, ließ er über seinen nach wie vor für die Eisbären tätigen Torwarttrainer Josef Dusek ausrichten: „Leute, vergesst mich in Berlin bloß nicht!“ Was bliebe darauf zu entgegnen? Wohl etwas in der Art: Mach Dir keine Sorgen, Tomas, das wird gewiss nicht passieren! Denn für dich gilt, was für alle Anderen vor dir gegolten hat, die je das Trikot mit dem Eisbären auf der Brust getragen haben: Einmal Eisbär – Immer Eisbär!

Und wenn es irgendwann mal wieder passt, dann ist Tomas Pöpperle ganz sicher einer, der liebend gern von der Eisbärenfamilie wieder in die Arme geschlossen würde!

Matze Eckart

Tomas Pöpperle in Bildern gibt es hier.

Alle Fotos: CityPress

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