Unvergleichbare Stimmung

Mein erstes Mal - Grafik: Eisbären LiveSchon seit meiner frühen Kindheit begeisterte ich mich für die Eisbären. Das Team verlor zu diesem Zeitpunkt häufig, das entfachte bei mir eine Trotz-Haltung. Damals war ich 12 Jahre alt. In dieser Zeit äußerte sich bei mir natürlich immer wieder der Wunsch, ein Heimspiel der Eisbären zu verfolgen. Der räumliche Abstand (ich stamme aus der Nähe von Bremerhaven) machte dieses Unternehmen aber unmöglich.
Am 13. Oktober 2002 war es dann endlich soweit. Ich wohnte inzwischen in Berlin und nahm den Besuch einiger Freunde aus Nürnberg zum Anlass, die Eisären endlich einmal live zu sehen. Gegner waren ausgerechnet die Mannheimer Adler, nach dem Wegfall des Derbys das wohl emotionalste Spiel. Der Wellblechpalast platzte fast aus allen Nähten.

Die Stimmung, die ich erlebte, kannte ich sonst nur vom Derby Bremerhaven gegen Wilhelmshaven. Die Partie verlief dann auch genauso, wie ein Spitzenspiel laufen sollte. Einen 0:2-Rückstand wandelten die Berliner in ein 3:2 um. Beim Führungstreffer übertrafen sich Roberts und Beaufait an technischer Finesse.

Meine Gäste waren sichtlich beeindruckt von der mitreißenden Atmosphäre.
Trotz der hitzigen Stimmung blieben die Aktivitäten auf der Tribüne friedlich. Überhaupt, ich staunte, wie freundlich und zuvorkommend die Fans zu uns waren, wir kannten uns in der Eisbären-Heimstätte schließlich nicht aus. Das Spiel gewann im Laufe der Zeit immer mehr an Dramatik. Den Ausgleich der Mannheimer egalisierte das Pagé-Team wieder und nach der erneuten Führung sah alles nach einem gelungenen Abend aus.
Bis zur letzten Minute: Die Mannheimer präsentierten sich so, wie man es von ihnen in den letzten Jahren gewohnt war: eiskalt und abgezockt. Das Penaltyschießen musste also die Entscheidung bringen. Unglaublich, welch ein Pfeif-Konzert die jeweiligen Mannheimer Schützen begleitete. Der Wellblechpalast entwickelte sich zum Hexenkessel, keiner saß mehr auf seinen Sitzen, alle starrten gebannt aufs Eis, die Zeit schien still zu stehen.

Bis zum entscheidenden Treffer der Gäste. EHC-Goalie Oliver Jonas war geschlagen, die Eisbären verloren nach sieben Siegen in folge das erste Mal wieder, mit einem Schlag leerte sich das Stadion.
Einige Fans aber blieben noch und feierten trotz der Niederlage „ihre“ Eisbären. Sie erkannten die starke Leistung an, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat. Meine Gäste aus Nürnberg sagten nur einen Satz zum Spiel: „Beim nächsten Besuch müssen wir unbedingt wieder zu den Eisbären.“
Für mich gehörte mein erste Eisbären-Heimspiel auch zu den Erlebnissen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Nach dem Spiel gegen die Adler besuchte ich den Wellblechpalast regelmäßig, um ein fürs andere Mal die unvergleichbare Stimmung zu genießen.

Manuel Holscher ist Student und freier Journalist unter anderem für die taz.

Ab 2002 erschien in der Stadionzeitung „Eisbären live“ eine Reihe von persönlichen Berichten unter dem Motto „Mein erstes Mal„. Da diese Berichte von unterschiedlichsten Personen aus dem Dunstkreis des Welli einen guten Einblick in die Geschichte des Welli geben, freuen wir uns, dass wir diese Reihe hier erneut veröffentlichen dürfen. Unser Dank gilt dafür Daniel Goldstein von der Öffentlichkeitsarbeit der Eisbären Berlin Management GmbH.

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