Liebes Doktor Dynamo-Team – Ja, man kann durch Küssen und Biertrinken schwanger werden.

Mein erstes Mal - Grafik: Eisbären LiveIch bin Fußballer (22 Leute, rundes Leder, 90 Minuten).
Mein erstes Mal?
Sehr spät.
Sehr (hin)gedrängt.

Es gab (und gibt noch heute) da so einen gewissen Typen. Einen Freund. Wir kennen uns ungefähr neunzehn Jahre. Der ging mir ständig auf den Geist. Er hatte vor langer Zeit eine Randsportart für sich entdeckt. Natürlich nicht als Aktiver.
Wie auch. Seit er zum Eishockey ging, sollte ich ihn im Beisein seines neuen Bekanntenkreises anders nennen als er selbst in seinen Aufnahmeantrag gekrakelt hat. Er sähe einem anderen so ähnlich und daher entschieden offenbar seine neuen Kumpels kurzerhand eine Namensänderung. Ich sage nur Tarnnamen. Na ja, ein bisschen Konspiration muss schon sein. Und hinterher war es wieder keiner.

Hörensagen. Nichts genaues weiß ich nicht. Jedenfalls hörte ich über einen langen Zeitraum ständig „Komm doch mal mit! Ist echt cool da! Wirklich! Schön mit Bierchen zuppeln und so… Coole Stimmung.“
Steter Tropfen höhlt den Stein und irgendwann hatte ich wohl keine Lust mehr, mir weitere Ausreden einfallen zu lassen. Und so ging ich erstmals nach meiner Jugendligazeit bei der BSG Stahl, Sektion Fußball, wieder ins Sportforum.
Zum Eishockey.

Wie spielt man das? Wie sind die Regeln?? Welche Trikots hat die Truppe die ich anfeuern muss wenn ich keine aufs Maul haben will?? Erstaunlicherweise ging das alles harmonisch über die Bühne bzw. über den Block. Hier die Fakten an die ich mich erinnere und die sich unauslöschlich eingebrannt haben. Bier in der Straßenbahn. Bier auf dem Weg von der Haltestelle zur Halle. Bier in der Fankneipe vorne rechts. (Das Casino sollte ich erst später kennen lernen.) Ich war mir ziemlich sicher, dass die Leute nicht des Sports wegen hier waren. Ein ohrenbetäubender Krach im Welli. Für Novizen Gänsehautfeeling pur.
Der Gegner – „…wir scheißen auf den Rest der Welt…“

Wir gingen in „unsere“ Box in Block G. Ja, so war das damals Ihr Herren LF, KE oder wie Sie sich alle nennen. Ich kannte Einen aber alle gaben Bier aus. Waren das einfach nur nette Leute oder hatte der Gruppenleiter seinen IM’s Stallorder gegeben. Aus heutiger Sicht trifft sicher ersteres zu. Meiner Erinnerung nach, lag der EHC frühzeitig und deutlich zurück. Die Fans feierten sich selbst. Was gesungen wurde verstand ich nicht. Irgendwelche Kinderlieder mit anderen Texten. Ach ja, fuffzichtausendmal „Dynamo“. Und weitere fuffzichtausendmal „Ost, Ost, Ost-Berlin“. Alles erinnerte irgendwie an parteitagsähnliche Szenen. Oder 1.Mai. Oder Kindertag. Lustig war es auf jeden Fall. Aufs Eis schaute keiner, irgendwie sollte die nächste Runde organisiert werden. Abstimmung in der Box. Basisdemokratie pur. Das Ergebnis stand vorher fest.

Mindestens ein komplettes Drittel musste ich mit den Jungs und Mädels außerhalb des Blocks verbringen, da das Kollektiv dies einstimmig bei hundertprozentiger Wahlbeteiligung so beschlossen hatte. Wirklich echt cool, Eintritt bezahlen um in einer überfüllten, verräucherten Kneipe Bier zu trinken. Irgendwann ging es zurück in die Box. Alles war irgendwie in Bewegung. Fahruntüchtig? Sicher. Die Hauptursache des schwankenden Eindrucks war jedoch eine gepflegte Polonaise im Block G. Unglaublich aber wahr. Wird da heute noch getanzt?
Schlusssirene. Verloren.

Gegen wen? „…wir scheißen auf den Rest der Welt…“ Ernsthafte Spielauswertung. „Hat einer das zweite Tor gesehen? Erzähl mal..“ Verabschiedung. Küsschen links, Küsschen rechts, Schulterklopfen. Wann ist das nächste Spiel? “Ich komme noch mal mit. Ist echt cool hier. Wirklich. Schön mit Bierchen zuppeln und so… Coole Stimmung.“

Was mich jedoch wirklich wunderte war die Tatsache, dass so viel Bier in so viele Leute hineinpasst ohne das dies der ausgelassenen und friedlichen Stimmung Abbruch tat. Beim Fußball wäre es sicher nicht so abgelaufen. Knappe sieben Jahre ist das jetzt her. Geküsst, getrunken, Hockeyschwanger Es gibt also definitiv keine sichere Verhütungsmethode. Egal wogegen. Ach ja, Eishockey ist eine wirklich tolle Randsportart. Fußball war gestern.

Robby

Ab 2002 erschien in der Stadionzeitung „Eisbären live“ eine Reihe von persönlichen Berichten unter dem Motto „Mein erstes Mal„. Da diese Berichte von unterschiedlichsten Personen aus dem Dunstkreis des Welli einen guten Einblick in die Geschichte des Welli geben, freuen wir uns, dass wir diese Reihe hier erneut veröffentlichen dürfen. Unser Dank gilt dafür Daniel Goldstein von der Öffentlichkeitsarbeit der Eisbären Berlin Management GmbH.

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