Eisbären-Fans für Menschlichkeit und Toleranz

Anzeigetafel - Foto: City PressZu lesen ist es bei jedem Spiel der Eisbären aber auch der Juniors. „Eisbären-Fans für Menschlichkeit und Toleranz“, steht immer wieder auf der großen Anzeigetafel neben der Stadionuhr. Menschlichkeit und Toleranz kann im Wellblechpalast vielerorts bestaunt werden. Zwar fehlt manchmal die Toleranz beispielsweise gegenüber strittigen Schiedsrichterentscheidungen, die Menschlichkeit bleibt aber, so wage ich es zu behaupten, fast nie auf der Strecke. Oft gibt es, wenn es einer aus den Zuschauerrängen nicht zu genau nimmt und verbal etwas unter die Gürtellinie geht, noch einen Nebenmann, der ihn kurz, aber bestimmend zur Ordnung ruft. Wir Berliner sind da ja in unserer Art sehr direkt und machen aus unseren Herzen dabei keine Mördergrube.

Wie aber wurde dieser Satz „Eisbären-Fans für Menschlichkeit und Toleranz“ in den Wellblechpalast getragen. Wie ich mich erinnere, war es die große Demonstration für Menschlichkeit und Toleranz (200 000 Teilnehmer) am 9. November 2000 in Berlin. Der 9. November ist in der deutschen Vergangenheit ein Tag, der nicht gemischter an Gefühlen sein kann. Da steht zum einen der Mauerfall im Jahr 1989, zum anderen die Reichspogromnacht 1938. Die Nacht, in der damals vom nationalsozialistischen Regime eine organisierte und gelenkte Zerstörung von Leben, Eigentum und Einrichtungen begangen wurde.

Menschlichkeit und Toleranz, gegen den Nazi-Terror, war an diesem nasskalten Novembertag das Motto. Es ging darum, ein Zeichen zu setzen. Zeichen gegen den aufkeimenden, blinden Antisemitismus. Wir, einige Eisbären-Fans der damals noch recht übersichtlichen Fanboard-Gemeinde der Eisbären-Homepage, trafen uns an diesem Tag am S-Bahnhof Hackescher Markt, um an jener Demonstration teilzunehmen. Acki, jetziges Fanbeirats-Mitglied und Copyshop-Besitzer, hatte ein Transparent hergestellt, auf dem eben jener Spruch „Eisbären-Fans für Menschlichkeit und Toleranz“ stand.
Anzeigetafel - Foto: City PressMit diesem Schild ging es dann über die Oranienburger Strasse, vorbei an der Synagoge, über die Friedrichstrasse und Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Auf dem Weg sammelten wir viele Sympathiepunkte. Nicht nur der NDW-Grauzone-Klassiker „Ich möchte ein Eisbär sein“ wurde uns entgegengeschmettert, auch wurde „Alles Gute“ für die Saison gewünscht, und und und…. Für uns ein schönes Erlebnis, nur ein winziger Teil dieser Kundgebung gewesen zu sein, trotzdem aber für Aufmerksamkeit gesorgt zu haben. Dabei war der Zweck dieser Demo für jeden selber eine Herzensangelegenheit, ein selbstloses positionieren wollen im Kampf für „Menschlichkeit und Toleranz“, gegen den Nazi-Terror.

Mit diesen vielen Eindrücken ging es eine Woche später zum Derby in den Wellblechpalast. Einige der bei der Demonstration anwesenden Fans gingen mit dem von Acki hergestellten Transparent vor dem Spiel aufs Eis und Komissarov durfteerstmal auf dem Eis zu den Zuschauern sprechen. Ein Zeichen, welches in dem damals restlos mit über 4695 Zuschauern gefüllten Wellblechpalast lautstark und emotional angenommen wurde, und seit dem bei keinem Spiel im Welli fehlt.

ovk

Fotos: CityPress

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One Response to “Eisbären-Fans für Menschlichkeit und Toleranz”

  1. ABV sagt:

    kann mich noch gut an die demo erinnern. waren wirklich viele erstaunte gesichter zu sehen! gerade so, als hätte niemand eisbärenfans unter den demonstrierenden erwartet!