Die Nacht der Legenden – Als Dynamo wieder salonfähig wurde

Dynamo Trikot - Foto: CityPressDer 22. März 2001 war, trotz der allgemeinen Ernüchterung wegen des wiederum mäßigen Abschneidens der Eisbären in der Saison 2000/2001, so etwas wie ein Feiertag. Es war der Tag, an dem „Dynamo“ im Wellblechpalast wieder salonfähig wurde. Viele schreiben diesen Relaunch der Tradition zwar Pierre Pagé zu, an diesem Abend hieß der Berliner Chefcoach aber noch Ulli Egen und Pagé betrat erst viele Monate später den Welli.

Ich glaube an diesem Tag machte unser allseits bekannter Detlef „Wimpel“ Müller das Geschäft seines Lebens. Die frisch gefertigten Dynamo-Trikots, in der Farbe und Form erstmalig im Wellblechpalast, gingen an diesem Abend weg wie warme Semmeln. Ein Feiertag für alle, die ein Trikot erhaschen konnten.

Da dieser 22.März gleichzeitig der Tag der Saisonabschlussfeier war, gab es für die Fans im fast restlos überfüllten Wellblechpalast noch ein Extra-Bonbon. Es lagen nicht nur die Dynamo-Trikots an den Fanartikelständen zum Verkauf, auch auf dem Eis konnte man weinrot-weiß – im Freundschaftsspiel gegen das Eisbären-Team – sehen. Und in den Trikots steckten viele der Helden von damals. Der Hexer, René Bielke, zeigte noch einmal sein Können. Dirk Perschau, einst ein manchmal etwas grenzwertiger Verteidiger, heizte seinen Gegenspielern, zusammen mit Materialwart Karrenbauer, kräftig ein. Schiedsrichter Gerhard Müller, einst Dynamo-Legende in Hohenschönhausen, stellte sich auch im Kampf gegen die Spieler, die er unter der Saison oft auf die Strafbank schickte. Mit dabei waren auch Thomas Graul, Harald Kuhnke, Detlef Radant, Torhüter Egon Schmeisser und und und… Diese Nacht gehörte den Legenden!…. und die erfolglose Saison war schon wieder fast vergessen.

Dynamo Trikots - Foto: City PressDie Saison 2000/2001 war, genauso wie die Lila-Laune-Spielzeit zuvor, recht verkorkst. Okay, Highlights waren die nach vier Spielen gewonnene Stadtmeisterschaft gegen die Preussen, sowie die Verpflichtung von Spielern, die auch heute noch im Wellblechpalast tätig sind. Steve Walker kam einst (man glaube es kaum) wegen der besseren Bedingungen in den Osten von Berlin. Eigentlich wollte er erst beim Stadtrivalen, den Preussen spielen. Nur garantierte man damals in der Eisbären-Geschäftsstelle eine umfassend englischsprachige medizinische Versorgung für seine Frau Delia, die in dieser Spielzeit ihr zweites Kind erwartete.

Ein weiterer Neuzugang war unser heutiger Co-Trainer Jeff Tomlinson. Tommer kam damals aus Manchester als Topscorer der Elite-Eishockeyliga in Großbritannien. Ehrlich gesagt, hätte damals niemand geglaubt, dass er noch acht Jahre später in Hohenschönhausen tätig sein wird. Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende 2003 kümmerte er sich erst als Co-Trainer um die Eisbären Juniors, später wurde er Chefcoach des Eisbären-Oberligateams. Auf Steve Walker und Jeff Tomlinson wird der Autor dieser Zeilen in den nächsten Wochen noch einmal genauer eingehen.

Eines muss ich aber noch anmerken: Die an diesem Abend verkauften Dynamo-Trikots, hatten keinerlei Ähnlichkeiten mit den Trikots von damals. In meiner Erinnerung und den Erinnerungen vieler ehemaliger Akteure, waren die Farben meist immer blau-rot und weiß. Trotzdem war es der Abend, an dem Dynamo im Wellblechpalast wieder salonfähig wurde.

ovk

Fotos: CityPress

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