Andrew McKim, der Prinz von Hohenschönhausen

McKim - Foto: CityPressAndrew McKim war im Wellblechpalast ein richtiger Star. Der flinke Stürmer traf mit seinen platzierten Schüssen nicht nur ins Tor der Gegner, sondern auch mitten in die Herzen der Fans.

McKim wurde zu einem der beliebtesten Spieler der „Nach-Bosman-Ära“. Drei Spielzeiten lang (96/97; 97/98; 98/99) jagte Andrew mit dem Eisbärenkopf auf dem Trikot den Pucks nach. Er war der Prinz unter den „Königen auf dem ewigen Eis“, regierte in dem Palast mit dem Wellblechdach.

Danach zog es ihn aber zu keinem anderen DEL-Team, sondern in die Schweiz. Dort wurde er am 31.Oktober 2000 beim Spiel seines Züricher SC Lions gegen den HC Davos von seinem amerikanischer Gegenspieler Kevin Miller vollkommen unnötig und brutal gecheckt. Von diesem Tag an konnte Andrew McKim, der Prinz von Hohenschönhausen, nie wieder als Spieler das Eis betreten.

Selbst heute, über sieben Jahre später, ist Andrew von dieser unfairen Attacke nicht wieder genesen. Seine Frau und seine Kinder vermittelten ihm aber trotzdem den Sinn Lebens und sehen nun schon viele Jahre zu, wie es ihm doch täglich besser und besser geht. Es sind die kleinen Dinge, die nun in Andrew seinem Leben viel wichtiger sind, als die Pässe und Schüsse ins gegnerische Netz zu lenken.

Im persönlichen Kontakt stehe ich mit Andrew seit dem Frühjahr 2004. Es war die Zeit, als die Gala zur großen „50 Jahre Eishockey in Hohenschönhausen“-Feier geplant wurde, bzw. langsam auf Hochtouren anlief. Vom damaligen Organisationskomitee, vor allem von Heavy, wurde ich zusammen mit meinem Freund und Kollegen Matze Eckart angesprochen, ob wir uns nicht darum kümmern könnten, dass wir möglichst viele alte Spieler einladen. Dieses taten wir dann auch. Zwar manchmal auch mehr schlecht als recht, Heavy hat aber immer noch keine grauen Haare. Ganz oben auf dem Konzept stand, dass alles möglich gemacht werden sollte, um Andrew McKim nach Berlin zu holen.

Mc Kim - Foto: City PressDas war eine ganz schön knifflige Aufgabe. So gab ich seinen Namen in vielen Suchmaschinen ein, fand aber nur alte Berichte. Doch halt, irgendwo auf Seite 38 oder so fand ich einen kleinen Programmhinweis eines kanadischen Regionalsenders, die irgend ein Eishockeyspiel übertragen wollten. Und als Co-Kommentator war Andrew McKim angekündigt. Also schrieb ich diesem Sender, und bekam prompt eine Antwort. Sie fragten mich was ich von ihm wolle, usw.. Darauf antwortete ich mit einem groben Konzept der Veranstaltung. Einige Tage passierte dann überhaupt nichts, bis ich eines Freitagabends auf einmal eine Mail von Andrew persönlich im Postfach hatte. Er schrieb mir, dass er daran interessiert sei und wie das mit den Flügen und der Unterkunft in Berlin sei. Natürlich klappte alles und im August 2004 zur Gala war der Prinz von Hohenschönhausen wieder in seinem Palast mit dem Wellblechdach.

Seit dem schicken wir uns Weihnachts- oder Neujahrsgrüsse. Auch informiere ich ihn öfter über das Geschehen hier in Berlin. Eines meiner Highlights mit ihm war, dass er mir Glückwünsche zur ersten Meisterschaft der Eisbären zukommen ließ. Ich gab dem Brief, der ja für uns alle war, dem Heavy. Er las ihn zur Meisterfeier im knüppeldicke-vollen Wellblechpalast vor. Als Heavy am Ende den Namen „Andrew McKim“ nannte, ging ein großer Jubel los. Und alle riefen seinen Namen, obwohl tausende Kilometer und ein ganzer Ozean ihn von seinem Palast mit dem Wellblechdach trennen.

König wird er in diesem Stadtteil nicht mehr, aber immer als „Prinz von Hohenschönhausen“ unsterblich bleiben.

ovk

Andrew McKim in Bildern gibt es hier.

Alle Fotos: CityPress

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One Response to “Andrew McKim, der Prinz von Hohenschönhausen”

  1. Ralf Kaufmann sagt:

    Ein toller Artikel, der dem was Andrew für Dynamo war nicht gerecht werden kann. Aber das kann wohl kein Bericht dieser Welt.Mit einer Träne im Augenwinkel zolle ich Eurer Arbeit aller größten Respekt.

    Danke für diesen Artikel und die wunderbaren Fotos…kaum einem Spieler habe ich so gern auf dem Eis zugeschaut.