Mein Held im Welli: Mike Bullard

Bullard in Action - Foto: CitypressErst seit der Saison 1997/98 ist der Welli auch für mich zur zweiten Heimat geworden. Helden habe ich, der im Laufe der Jahre eigentlich eine ausgeprägte Affinität zur Torhütergilde entwickelt hat, inzwischen dennoch viele gesehen im Welli. Mein größter Held in all der Zeit war und ist allerdings noch immer ein Stürmer. Nur wenige andere haben aufgrund ihrer Art, ihres Charakters so sehr polarisiert wie er. Im Trikot der Landshut Cannibals war er für uns Eisbärenfans eine Reizfigur sondergleichen. Kein Check, den er ausließ, keine Nickeligkeit, die er sich aufsparte, aber auch kaum eine Torchance, die er ungenutzt verstreichen ließ. „Alle haben Zähne, alle haben Zähne, nur der blöde Bullard nicht!“, schallte es dann durch den Wellblechpalast, wenn Mike Bullard auf dem Eis zugange war. Er hat sich davon jedoch nie beeindrucken lassen. Im Gegenteil, er schien sogar reichlich Spaß zu haben in dieser angeheizten Atmosphäre.

So war es auch in der Play-off-Halbfinalserie meiner Eisbären-Premierensaison 97/98 gegen die Landshuter. Bully zog in gewohnter Weise seine Kreise und hatte Spaß. Der verging ihm erst, als die Eisbären den Finaleinzug klar gemacht hatten. Da ließ auch das in der NHL gestählte Raubein den Kopf sinken, aber auch nicht den Bruchteil einer Sekunde früher. Vorbei war es für ihn stets immer erst, wenn es wirklich vorbei war, absolut nichts mehr ging. Das war letztlich der Moment, in dem ein Nicht-Eisbär im Wellblechpalast zu meinem Helden wurde. In meinem Eck im C-Block sagte ich zu meinen Leuten: „So, erklärt mich meinetwegen für blöd, aber Mike Bullard wechselt zur neuen Saison zu uns!“ Und sie erklärten mich stehenden Fußes für blöd und er wechselte zur darauf folgenden Saison trotzdem nach Hohenschönhausen. Ätsch! Lorenz Funk und Peter John Lee müssen es damals wohl vermocht haben, meine Gedanken zu lesen.

In dieser Spielzeit bekam ich mein erstes Fantrikot geschenkt. Und wie hätte es anders sein können? Dieses quietschgelbe Ding konnte nur die Nummer 98 und den Namen Bullard auf dem Rücken führen!
Mike Bullard entwickelte sich nach anfänglichen Pfiffen von den Rängen aufgrund derselben Spielweise, wegen der er zuvor geradezu gehasst wurde jedoch recht schnell zu einem echten Publikumsliebling. Nicht ganz unähnlich des Werdegangs unseres Hooligans Stefan Ustorf einige Jahre später.

Bullard-Abschied - Foto: CitypressUnvergessen für mich, weil emotionsgeladen ohne Ende, seine damals in meinen Augen viel zu frühe Verabschiedung bei der Abschlussfeier zur Saison 1999/2000. Dieselben Fans, die früher dem immer giftig aufspielenden Mike Bullard seine Zahnlücken aufzählten, skandierten nun „Bully, du darfst nicht gehen!“ Da stand er nun, mein Held, kämpfte mit den Tränen und stammelte nur noch „My heart is broken.“ ins Mikrophon und trug in der darauf folgenden Spielzeit das Trikot der Schwenninger Wild Wings. Seiner Popularität in Hohenschönhausen konnte das aber keinen Abbruch mehr tun, weil hier das Gesetz „Einmal Eisbär – Immer Eisbär“ noch immer Gültigkeit besitzt.

So habe ich mich sehr gefreut, als ich Mike Bullard im vergangenen Jahr beim Spiel einer Eisbären-Auswahl gegen die Gazprom-Allstars zugunsten der Juniors nochmals im Wellblechpalast in Aktion erleben durfte. Wenn auch älter und langsamer geworden, mein Held im Wellblechpalast wird er dennoch bleiben: Mike Bullard.

Mcbaer#98

Mike Bullard in Bildern gibt es hier.

Alle Fotos: CityPress

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